Judentum


Die ausgewählten Texte verstehen sich nicht als Zusammenfassung, sondern in ihren unterschiedlichen Aspekten als Anhaltspunkte, durch die man die Einzelheiten des Glaubens und des Gesetzes erlernen kann. Eigentlich ist das jüdische Gesetz nur Gesetz, wenn es konkret ist und kann darum nicht zusammengefasst werden.

 

 

Tafel 1

Judentum Tafel4


Die Menora, der siebenarmige Leuchter, ist jüdischen Menschen so wichtig, dass er in das Staatswappen Israels aufgenommen wurde. Mose erhielt von G“tt auf dem Berg Sinai den Auftrag, für die Stiftshütte, in der die Bundeslade mit den Gebotstafeln aufbewahrt wurde, einen Leuchter mit sieben Armen anfertigen zu lassen. Dieser Leuchter stand später im Tempel, bis er von den Römern bei der Zerstörung des Tempels 70 n. Chr. geraubt und nach Rom gebracht wurde. Die Menora ist auf vielen Münzen zu sehen und gilt als Zeichen des Tempels selbst.
 

Seit dem 8. vorchristlichen Jahrhundert mussten es Juden erleben, von fremden Großmächten überwältigt und aus ihrem Heiligen Land vertrieben zu werden. Besonders seit der babylonischen Gefangenschaft im 6. Jahrhundert entstanden an vielen Orten der Welt jüdische Gemeinden – die so genannte Diaspora (“Zerstreuung“). Das Zitat bringt die Hoffnung zur Sprache, dass G“tt sein Volk auch in der Zerstreuung nicht vergisst und ihm eine Perspektive eröffnet. Diese Hoffnung verbindet die jüdischen Gemeinden untereinander und die jüdische Diaspora mit dem Heiligen Land. Seit kurz nach der Zerstörung des Tempels in Jerusalem durch die Hand der Römer beten Juden dreimal am Tag für den Rückkehr nach Zion. Dies gelang im Mittelalter und in der Frühmoderne nur den wenigsten. Mittlerweile haben sich mit der Rückkehr-nach-Zion-Bewegung (19. Jh.), dem modernen Zionismus und der Errichtung des Staates Israels viele prophetische Verse der Bibel verwirklicht. Juden, die zwei Jahrtausende lang täglich nach Zion blickten, können das Land nun frei besuchen, dort beten und die Gesellschaft aufbauen.

Nicht alle Juden ziehen dorthin. Die einen ziehen hin, die anderen unterstützen das Land von der Ferne. Aber die übergroße Mehrheit will Teil dieser historischen Entwicklung sein, ob sie nun politisch rechts oder links, eher religiös oder eher säkular geprägt sind.

Die Menora ist der siebenarmige Leuchter, der auch im Staatswappen Israels zu finden ist. Schon für das Stiftszelt, das während der Wüstenwanderung des Volkes Israel die Anwesenheit G“ttes repräsentierte, befahl G“tt eine Menora zu bauen. Seine 6 Arme erinnern an die 6 Schöpfungstage, der mittlere 7. Tag steht für den Schabbat. Die mittlere Kerze wird zuerst entzündet und an ihr dann alle weiteren. Die Menora hat die Form eines Baumes. Sie stand auch im Tempel von Jerusalem, den König Salomon erbaute, und wurde im Jahr 70 unserer Zeitrechnung von den Römern geraubt.



Tafel 2

Judentum Tafel5

Dieses Zitat des Propheten Jesaja, vereinigt die drei Abschnitte der Tafeln 1, 4 und 5 mit einem Traum, einer Vision für die Zukunft, die seit eh und je als vorbildlich und besonders inspirierend gilt. Ein Teil des Abschnittes schmückt auch das Monument der Vereinigten Nationen am Dag Hammarskjold Plaza in New York. Aus Jerusalem wird das Wort G"ttes ausstrahlen, und es wird von zahlreichen Nationen aufgesucht werden. So wird die Lehre G“ttes den Weltfrieden bringen! Völker werden nicht mehr das Schwert gegeneinander erheben, sondern die Waffen schmelzen, um daraus landwirtschaftliche Werkzeuge zu machen, die die Menschheit ernähren werden. Das Zitat ist sowohl universalistisch als auch sehr jüdisch verankert und betont die ewige Zentralität des Tempels auf dem Tempelberg für uns.

 

 

Tafel 3

Judentum Tafel1

Das Zitat auf der letzten Tafel zeigt noch eine andere Seite des Judentums. Im Judentum ist aus dem Bemühen heraus, G“ttes Gebot konkret für eine bestimmte Situation und Zeit zu verstehen, ein sehr reiches Schrifttum erwachsen. Dieses hier ist ein Zitat aus den “Sprüchen der Väter“ (Pirkej Awot), einem Werk der Mischna, die wiederum Teil der talmudischen Überlieferung ist. Die Mischna wurde mündlich überliefert und im 3. Jahrhundert unserer Zeitrechnung in eine schriftliche Form gebracht. Die “Sprüche der Väter“  enthalten wichtige ethische Leitlinien. 
Hillel der Weise, der hier zitiert wird, war einer der berühmtesten pharisäischen Gesetzeslehrer.  Er lebte  im ersten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Hillel galt als weitherziger und geduldiger Lehrer, der die Nächstenliebe und die Gewaltlosigkeit lehrte und viele Schüler hatte. Sein “Gegenspieler“, aber auch Kollege, mit dem er eng zusammenarbeitete war Rabbi Schammai, der die Tora wesentlich strenger auslegte. Rabbi Hillel ist für die jüdische Ethik von großer Bedeutung.
Suche den Frieden, bringe den Frieden, liebe die Menschen – das sind universelle Werte für alle Menschen. Bringe sie der Tora näher, der eigenartigen Lehre des Judentums – das ist nur an das jüdische Volk gerichtet. So ist auch in diesem Zitat Universalität und Partikularität vereinigt.


Tafel 4


Judentum Tafel2
 

Das Buch Genesis ist das erste Buch der Tora. Der Satz von der Erschaffung des Menschen zeigt, dass Juden in ihrem G“tt den Schöpfer aller Menschen sehen. Die ersten 11 Kapitel des Buches Genesis machen darum Aussagen über die gesamte Menschheit. Alle Menschen stammen von den gleichen zwei Menschen, Adam und Eva, und später von Noah und seiner Familie ab.

Der Mensch wird als G“ttes Ebenbild bezeichnet, weil er mit Vernunft und mit freiem Willen begabt ist – und weil sich in seiner Liebe die Liebe und Barmherzigkeit G“ttes widerspiegelt. G“tt erschafft Mann und Frau als Wesen, die einander auf Augenhöhe gegenüber stehen, miteinander reden und einander lieben können. Er erschafft und bejaht den Menschen mit seiner natürlichen Zeugungsfähigkeit – also mit seiner Sexualität.

Der Buchstabe Alef ist der erste Buchstabe im hebräischen Alphabet. Das Judentum hat eine starke und aussagekräftige Buchstabensymbolik hervorgebracht. Das Alef steht für die Zahl “1“, damit aber auch für die Einzigkeit G“ttes. So wie er geschrieben ist, erinnert er an das Tetragramm, also den G“ttesnamen JHWH, den Juden aus Respekt nicht aussprechen – sie sagen statt dessen “Adon-ai“ (mein Herr). G“ttes Herrlichkeit ist unaussprechlich - darum wird auch in dem Zitat das Wort “G“tt“ ohne den Vokal geschrieben. Der Schrägstrich erinnert an das “W“, die seitlichen Häkchen könnten als zwei “J“ gelesen werden.  Die hebräische Schrift ist eine Konsonantenschrift – das “Alef“ ist der einzige Buchstabe, der ein Schriftzeichen hat, obwohl er als Vokal gesprochen wird. Er steht symbolisch darum sowohl für die Stimme als auch für das Klanglose. Schließlich beginnt auch das Wort “Nichts“ (“Ajin“) mit einem Alef. Der Buchstabe Alef steht also auch für das Nichts und damit für die Vorstellung, dass die Realität keinen Grund in sich hat, sondern allein auf den Willen G“ttes zurückzuführen ist.

 

Tafel 5

Judentum Tafel3

 

Mit diesem Vers aus dem zweiten Buch der Tora, dem Buch Exodus, ist der Blick auf die besondere Geschichte G“ttes mit seinem Volk gelenkt. Wenn es in der Religion nur um die universellen Werten ginge, dann bräuchte man die Religion nicht. Es würde reichen, einfach ein guter Mensch sein, der vielleicht auch noch einen undifferenzierten Glauben an G"tt hat. Dieses Zitat aber betont nach der Aussage über die gesamte Menschheit nun die spezifische Bedeutung des Judentums. Es verkündet, wozu es überhaupt Juden - ein separates Volk - geben soll, und wieso Juden solche zahlreichen und auf den ersten Blick merkwürdigen Ritualgesetze haben. Sie sollen ein Reich von Priestern und ein heiliges Volk sein. Damit meinen Juden, dass sie – wie Priester – die Heiligkeit sehr intensiv beleben, und die Lehre für alle auslegen sollen, die G"tt suchen. Juden missionieren aber nicht! Statt dessen sollen sie "ein Reich von Priestern", also ein Land aufbauen, eine Gesellschaft mit Synagogen und Lehrhäusern, aber auch mit Spitälern, mit kulturellen Institutionen, mit einer Regierung, mit Straßenbau, mit Müllentsorgung und mit einem Straßenzulassungsgesetz, von dem jeder, der möchte, lernen kann, wie eine aufrechte, g“ttbewuste, friedliebende und fromme Gesellschaft aufzubauen sei.


Mosaik
 

Mosaikplanung JudentumDie Geschichte davon, dass G“tt sein geliebtes Volk aus der Gefangenschaft in Ägypten befreit, mit ihm in einer öffentlichen Offenbarung einen Bund schließt, es damit den Gesetzes der Tora verpflichtet und ihm das Wohnen in Freiheit in einem eigenen Land in Aussicht stellt, ist die zentrale Glaubenstradition der Juden. In der Tora wird erzählt, wie Josua, der Nachfolger des Mose, noch während der Wanderschaft durch die Wüste Kundschafter aussendet, die das versprochene neue Land erkunden sollen. Die Früchte, die sie mitbringen, sind ein Zeichen für die Fruchtbarkeit des Landes. Im 5. Buch der Tora werden die Früchte des Heiligen Landes genannt:  Weizen, Gerste, Weinstöcke, Feigenbäume, Granatäpfel, Ölbäume und Honig. Aufgrund ihrer Anzahl heißen sie auch die “sieben Arten“ (hebr. “Schewa Minim“).  Am Fest “Tu Bischwat“, dem Neujahrsfest der Bäume, das am 15. Tag des Monats Schwat gefeiert wird, wird der Tisch mit diesen Früchten gedeckt. Auch sonst sind in jüdischen Festen oft geschichtliche Ereignisse mit natürlichen Vorgängen wie der Ernte verknüpft. Diese Feste, sowie auch die zahlreichen landwirtschaftlichen Religionsgesetze, lehren den Menschen den Respekt vor der Natur. 

Der Davidsstern ist auf der Flagge des Staates Israel zu sehen. Er ist ein sechseckiger Stern, der aus zwei ineinander gefügten Dreiecken besteht. Ein Dreieck zeigt von oben nach unten, das andere von unten nach oben. Das kann bedeuten: G“tt wendet sich den Menschen zu und der Mensch wendet sich G“tt zu – und beide Bewegungen sind ineinander verschränkt. Es kann auch bedeuten: Der Mensch kommt von G“tt und kehrt wieder zu ihm zurück. Der Davidsstern steht damit für den Bund zwischen G“tt und den Menschen.

 

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